Château Vito

Die Pflanzen haben den Sommer irgendwie überlebt. Ein paar Trauben konnten an den Pflanzen reifen. Zu viele um sie den Tieren zu überlassen, zu wenig um in Katalonien damit einen Wein zu keltern. Wir entscheiden uns, die Früchte in einer Expressaktion zu ernten, sie mit in die Schweiz zu bringen und hier ein Schaumwein-Experiment zu starten. Montag früh hin, Dienstag früh ernten und abends wieder zurück in die Schweiz um die Trauben zu verarbeiten, das ist der Plan. Mit dabei, Mario und sein Mercedes Vito mit klimatisiertem Laderaum für das Traubengut.

1.Teil des Plans, die Hinfahrt: check!

2.Teil des Plans, die Ernte: check! (Präsentation unserer Angebertraube: Mario)

3.Teil des Plans, die Rückfahrt: tja…:

Bei der Ausfahrt vom Rebberg zur Hauptstrasse, vollbeladen mit den Trauben, erwischen wir ein herumliegendes Metallteil, die Luft ist weg aus dem hinteren linken Reifen. Dass die heutigen Fahrzeuge selten mit Reserverad ausgestattet sind, hilft nicht. Noch weniger hilfreich aber ist die Tatsache, dass die Katalanen Mariä Himmelfahrt gebührend feiern und Hilfe spärlich erreichbar ist. Wir warten am Strassenrand sechs Stunden auf den Abschleppwagen der uns nur über den Hügel aber nicht in eine Garage bringen kann. Alles geschlossen. Mario bleibt in Spanien und wartet auf die Reparatur des Vito’s, ich werde von der Versicherung finanziert (herzlichen Dank!) mit den Trauben in einem Taxi 282 km (!) in die Camargue chauffiert, wo das einzig verfügbare Mietauto mit entsprechendem Laderaum stehen soll. Nachts um elf verlade ich da die Trauben in einen total übermotorisierten Audi A8, fahre durch die Nacht nach Luzern, presse die Trauben subito und schleppe den Saft in einzelnen Behältnissen sechs Stockwerke hoch vor unsere Wohnungstüre, den kühlsten Platz in diesen Sommertagen, wo der Wein nun nach einer 30-stündigen Odyssee ohne Schlaf, im Treppenhaus vergären soll. Wir nennen ihn Château Vito.